Wir haben unsere eigene Website in zwei Tagen neu gebaut. Mit einer KI als zweitem Mann am Rechner.
Das klingt nach Angeberei, ist aber der langweiligste Teil der Geschichte. Denn fast jeder Coach, Berater oder Dienstleister, mit dem ich spreche, schiebt seine Seite seit Monaten vor sich her. Und der Grund dafür ist so gut wie nie die Technik.
In diesem Artikel zeige ich dir, wo die Zeit bei einer Website wirklich verloren geht, welche drei Entscheidungen unsere Seite so schnell fertig gemacht haben und in welcher Reihenfolge du vorgehst, wenn du deine eigene Coaching-Website erstellen willst.
Warum Websites monatelang liegen bleiben
Die typische Geschichte geht so: Du willst eine neue Seite. Du schaust dir Baukästen an, dann Vorlagen, dann Agenturen. Du fängst an, Texte zu schreiben, und merkst beim dritten Absatz, dass du gar nicht genau weißt, was auf der Startseite eigentlich stehen soll. Also legst du es weg. Drei Monate später fängst du mit einem anderen Baukasten von vorne an.
Das Problem ist nicht das Werkzeug. Das Problem ist, dass niemand vorher entschieden hat, was die Seite verkaufen soll.
Solange diese Entscheidung fehlt, wird jede Überschrift zur Grundsatzdiskussion. Jeder Abschnitt fühlt sich falsch an, weil er nicht auf ein Ziel einzahlt. Und jede Designfrage wird zur Geschmacksfrage, weil es keinen Maßstab gibt, an dem man sie messen könnte.
Der eigentliche Punkt: Sortieren vor Bauen
Wir haben einen halben Tag ins Sortieren gesteckt und danach anderthalb Tage ins Bauen. Die KI hat beim zweiten Teil enorm geholfen: Code, Varianten, Übersetzung, Fehlersuche. Den ersten Teil konnte sie uns nicht abnehmen.
Sortieren heißt, drei Fragen schriftlich zu beantworten, bevor irgendjemand eine Seite anlegt:
- Wen soll die Seite überzeugen? Eine Zielgruppe, in einem Satz. Nicht „Selbstständige und Unternehmer", sondern so konkret, dass du dir eine echte Person vorstellen kannst.
- Was soll diese Person als Nächstes tun? Ein Schritt. Termin buchen, Freebie holen, Kurs kaufen. Nicht drei gleichwertige Möglichkeiten.
- Warum sollte sie dir glauben? Welche Beweise hast du, die sich nachprüfen lassen?
Warum das so wichtig ist, zeigt eine Auswertung der Nielsen Norman Group: Besucher verlassen eine Webseite oft schon nach 10 bis 20 Sekunden, es sei denn, die Seite macht sofort klar, welchen Nutzen sie bietet. In diesen Sekunden liest niemand deinen Werdegang. Die Leute überfliegen, und zwar sehr grob. Dieselben Forscher haben schon früh gezeigt, dass Menschen Webseiten kaum Wort für Wort lesen, sondern scannen.
Wenn du vorher sortiert hast, ist das kein Problem. Dann steht oben genau das, was diese eine Person in zehn Sekunden sehen muss.
Coaching-Website erstellen: die drei Entscheidungen, die den Unterschied gemacht haben
Die folgenden drei Entscheidungen haben unsere Seite geprägt. Klau sie ruhig, sie funktionieren für Coaches genauso wie für Berater, Therapeuten oder Agenturen.
1. Treppe statt Leistungsliste
Die meisten Dienstleister-Seiten zeigen alle Leistungen nebeneinander. Fünf Kacheln, gleich groß, gleich wichtig. Für den Besucher ist das eine Aufgabe: Er muss selbst herausfinden, was davon für ihn passt.
Wir haben unsere Angebote stattdessen nach Einstiegshöhe sortiert. Erst der Videokurs ab 590 €, dann Werbeanzeigen, dann Podcast. Jeder Besucher findet die Stufe, die zu seiner Situation und seinem Budget passt, statt sich zwischen gleichwertigen Optionen entscheiden zu müssen.
Dahinter steckt ein bekanntes Prinzip aus der Gestaltung: Nach dem Hick-Hyman-Gesetz steigt die Zeit für eine Entscheidung mit der Zahl und Komplexität der Möglichkeiten. Auf einer Website bedeutet längeres Überlegen meistens: Tab zu.
So setzt du das bei dir um:
- Ein Einstieg, der wenig Risiko hat. Ein Erstgespräch, ein kleines Paket oder ein digitales Produkt.
- Eine Hauptleistung, die du am liebsten verkaufst.
- Eine Premiumstufe für die, die mehr wollen.
Alles andere, was du auch noch kannst, darf auf Unterseiten weiterleben. Es muss nur nicht im Schaufenster stehen.
2. Beweise statt Stockbilder
Jedes gekaufte Foto ist bei uns rausgeflogen. Drin sind echte Reels aus echten Kundenprojekten, echte Gesichter mit Namen und Zahlen, die sich belegen lassen.
Das ist keine Geschmacksfrage. In Eyetracking-Studien der Nielsen Norman Group wurde deutlich, dass Nutzer austauschbare Stockfotos schlicht ignorieren, Fotos von echten Menschen aus dem Unternehmen dagegen aufmerksam anschauen. Das Stanford Persuasive Technology Lab kam in seinen Richtlinien zur Glaubwürdigkeit von Websites schon lange vorher zum selben Schluss: Zeig, dass eine echte Organisation hinter deiner Seite steht.
Für eine Coaching-Website heißt das konkret:
- Ein echtes Foto von dir, idealerweise bei der Arbeit, nicht vor einer weißen Wand mit verschränkten Armen.
- Stimmen von Kunden mit Namen, Foto und einem konkreten Ergebnis. Ein Zitat ohne Namen wirkt erfunden, auch wenn es echt ist.
- Bewertungen, die man nachprüfen kann, zum Beispiel über dein Google-Profil. Wie stark Bewertungen Kaufentscheidungen prägen, zeigt die jährliche Umfrage von BrightLocal zum Umgang mit Online-Bewertungen.
- Video, wo es geht. Ein zweiminütiger Clip, in dem du erklärst, wie du arbeitest, baut mehr Vertrauen auf als jeder Absatz Text.
Ein einziger echter Beweis schlägt zehn hübsche Bilder. Und wenn du noch keine Beweise hast, ist das die ehrlichste Aufgabe, die du vor dem Website-Relaunch erledigen kannst.
3. Das Langweilige zuerst
Impressum, Datenschutzerklärung und AGB standen bei uns vor dem Livegang. Der Tracking-Pixel lädt erst, wenn der Besucher zugestimmt hat.
Das klingt nach Pflichtprogramm, und das ist es auch. Aber genau an diesem Pflichtprogramm scheitern viele Seiten, die schnell gebaut wurden. Keine Rechtsberatung, aber der Stand, mit dem wir arbeiten:
- Impressum: Wer geschäftsmäßig eine Website betreibt, muss nach § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes Name, Anschrift und Kontaktdaten leicht erreichbar bereithalten. Fehlt das, drohen laut § 33 DDG Bußgelder bis zu 50.000 Euro, von Abmahnungen durch Mitbewerber ganz abgesehen.
- Datenschutzerklärung: Sobald du Daten erhebst, auch über ein simples Kontaktformular, musst du nach Artikel 13 DSGVO über Zweck und Speicherdauer informieren.
- Einwilligung vor Tracking: Pixel und Analyse-Tools dürfen nach § 25 TDDDG erst nach einer Einwilligung auf das Gerät zugreifen. Ein vorangekreuztes Häkchen reicht dafür nicht, das hat der Europäische Gerichtshof im Planet49-Urteil zur Cookie-Einwilligung klargestellt.
Der zweite Grund, warum wir das zuerst erledigt haben, hat mit Geld zu tun. Zahlungsanbieter schauen sich deine Website an, bevor sie dir ein Konto freischalten, und manchmal auch danach. Stripe listet in der Dokumentation zu den Angaben, die für die Kontoverifizierung nötig sind, ausdrücklich Anforderungen an die Website des Unternehmens auf. PayPal behält sich in seiner Nutzungsrichtlinie für zulässige Geschäftsmodelle vor, Konten einzuschränken. Eine Seite ohne Impressum, ohne klare Leistungsbeschreibung und ohne Datenschutz ist genau das, was bei so einer Prüfung auffällt.
Wir haben selbst erlebt, wie schnell ein Kanal weg sein kann, wenn eine Plattform ihre Regeln durchsetzt. Die Geschichte dazu steht in unserem Artikel über die eigene E-Mail-Liste. Seitdem gilt bei uns: Das Fundament kommt vor der Fassade.
Wie KI beim Bauen wirklich hilft
Nachdem die Fragen sortiert waren, ging es schnell. Die KI hat bei uns Seitenstruktur und Code vorgeschlagen, Varianten für Überschriften geliefert, die englische Fassung übersetzt und Fehler gefunden, die uns beim dritten Durchklicken nicht mehr aufgefallen wären.
Was sie nicht konnte: entscheiden, welche Zielgruppe wir ansprechen, welches Angebot vorne steht und welche Kundenstimme die stärkste ist. Das ist Positionierung, und die bleibt deine Aufgabe.
Google selbst macht in seinen Leitlinien zu hilfreichen Inhalten, die für Menschen gemacht sind, klar, worauf es ankommt: Erfahrung, Fachwissen und echten Nutzen für den Besucher. Ob ein Text mit KI entstanden ist, ist dabei zweitrangig. Ob er etwas Echtes zu sagen hat, nicht.
Wo KI im Marketing sonst sinnvoll ist und wo sie nur beschäftigt, habe ich im Artikel KI für Coaches: wo sie wirklich Umsatz bringt ausführlich beschrieben.
Deine Reihenfolge: in fünf Schritten zur fertigen Seite
Wenn du deine Coaching-Website erstellen willst, ohne dass sie wieder monatelang liegen bleibt, geh so vor:
- Sortieren (ein halber Tag). Zielgruppe in einem Satz, ein nächster Schritt, eine Liste deiner Beweise. Schriftlich, bevor du ein Tool öffnest.
- Treppe festlegen. Einstieg, Hauptleistung, Premium. Alles andere wandert auf Unterseiten.
- Beweise sammeln. Fotos von dir, Kundenstimmen mit Namen, Bewertungen, ein kurzes Video. Fehlt etwas, frag heute noch drei Kunden an.
- Pflichtseiten zuerst. Impressum, Datenschutz, Einwilligungsbanner. Bevor irgendein Pixel eingebaut wird.
- Bauen. Jetzt erst Baukasten, Vorlage oder KI. Und weil alle Entscheidungen stehen, ist das nur noch Ausführung.
Danach gilt: Einmal selbst komplett durchklicken, auf Handy und Desktop, jeden Link. Und dann die Seite drei Menschen aus deiner Zielgruppe zeigen und fragen, was sie nach zehn Sekunden verstanden haben.
Die häufigsten Fehler
- Mit dem Design anfangen. Farben und Schriften sind das Letzte, was entschieden werden muss, nicht das Erste.
- Alle Leistungen gleichwertig zeigen. Wer alles anbietet, wird für nichts gebucht.
- Über sich statt über das Problem. Deine Geschichte kommt, wenn der Besucher weiß, dass du sein Problem kennst. Vorher liest sie niemand.
- Stockfotos als Platzhalter, die für immer bleiben. Lieber ein ehrliches Handyfoto als ein gekauftes Lächeln.
- Pflichtseiten „später". Später ist meistens dann, wenn die erste Abmahnung kommt oder der Zahlungsanbieter nachfragt.
- Die Seite als Ziel sehen. Eine Website ist ein Werkzeug. Ohne Besucher bringt sie nichts. Wie wir Besucher über Anzeigen gezielt auf die richtige Stufe bringen, steht auf unserer Seite zu Meta Ads. Und was passiert, wenn Anfragen reinkommen und niemand reagiert, zeigt der Artikel über das Reaktivieren alter Leads.
Fazit: Sortieren ist die Arbeit, Bauen ist nur noch Ausführung
Eine Website wird nicht fertig, weil jemand baut. Sie wird fertig, wenn vorher entschieden ist, was sie verkaufen soll.
Die Technik ist heute kein Engpass mehr. Mit Baukästen und KI ist eine saubere Seite in wenigen Tagen gebaut. Der Engpass sitzt davor: bei der Frage, wen du ansprichst, was du zuerst anbietest und womit du es beweist.
Beantworte diese drei Fragen in einem halben Tag. Dann sind die anderthalb Tage danach fast ein Selbstläufer.
Und wenn du beim Sortieren merkst, dass dir die Beweise fehlen, also Inhalte, die zeigen, wie du arbeitest, bevor jemand mit dir spricht: Genau dafür produzieren wir Videokurse ab 590 €. Ein Kurs ist der stärkste Beweis, den eine Coaching-Website haben kann, weil der Besucher dein Wissen erlebt, statt nur darüber zu lesen.